Fussball | Zu Gast bei Viktoria Gesmold

Für die 42. Ausgabe unserer Serie „Zu Gast bei...“ sind wir wieder in den Osnabrücker Südkreis gefahren und haben uns westlich von Melle ein wenig genauer umgesehen. Wir waren in Gesmold und waren zu Gast bei Viktoria Gesmold.

Mit gut 3.500 Einwohnern zählt Gesmold zweifelsohne zum beschaulicheren Teil der Stadt Melle. Die Geschichte des Ortes reicht bis ins Jahr 800 zurück. Damals besiedelten Einwanderer einige Lichtungen des Gesmolder Raumes. Die älteste aller Siedlungen ist Drantum, ursprünglich standen hier fünf Höfe. Etwa im Jahr 1000 bauten die Franken zum Schutz der Wege von Osnabrück nach Herfold ein großes Gehöft auf Gesmolder Gebiet – aus dieser Zeit stammt auch der Ortsname. Gesmold leitet sich von „Gesmelle“ (Hof vor Melle) ab. Urkundlich erwähnt wurde Gesmold erstmals im Jahr 1160, im selben Jahr begann der Bau einer Burg rund um die Siedlungen des Ortes. Das Schloss Gesmold hatte seinen Urpsrung und wurde in den folgenden Jahren und Jahrhunderten immer wieder erweitert, umgebaut und umgestaltet. Heute befindet sich das Schloss Gesmold in Privatbesitz, kann aber nach Anmeldung und Absprache in Teilen besichtigt werden. Neben dem Schloss begann man in Gesmold 1510 mit dem Bau der Kirche „St. Petrus“, noch heute ist die 1834 komplett neu gebaute Kirche der Mittelpunkt der Ortschaft. Eine weitere Besonderheit findet sich am westlichen Rand von Gesmold: In der Birfurkation sind mit der Hase und der Else zwei Flüsse miteinander verbunden. Der Heimatverein Gesmold hat die Bifurkation in den letzten Jahren um einen Grillplatz, ein Wassertretbecken und Toiletten erweitert und pflegt die Anlage auch weiterhin leidenschaftlich. Eine Bifurkation wie die in Gesmold ist schließlich selten auf der Erde. Doch nicht nur wegen der Bifurkation und des Schlosses ist Gesmold ein Begriff: Auch die Gesmolder Kirmes lockt jährlich im September tausende Besucher in das kleine Örtchen.



1919 erblickte Viktoria Gesmold das Licht der Welt, 1921 gründete sich der Spielverein Drantum. Beide Klubs fusionierten 1923 und schlossen sich im selben Jahr der „Deutschen Jugendkraft“ an. Waren bis dahin nur Freundschaftsspiele möglich so konnte Viktoria Gesmold von nun an Meisterschaftsspiele bestreiten. 1933 schloss sich auch DJK Melle der Viktoria an, der Verein konnte ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. 1935 fanden die Aktivitäten durch die GeStaPo ein appruptes Ende, der Verein musste sich umbennen und hieß fortan „Blau-Weiß Gesmold“. Während des zweiten Weltkrieges ruhte der Sport in Gesmold, am 01.02.1946 gründete sich der Verein unter dem Namen „Viktoria Gesmold“ neu. Anfangs konzentrierte man sich voll und ganz auf den Fußball, in den 1960er – Jahren kamen mit der Turnabteilung, dem Tischtennis und der Leichtathletik drei weitere Sparten hinzu. In den 1970ern folgte mit dem Voleleyball die fünfte Sparte. Viktoria Gesmold entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem Breitensportverein. Heute zählen acht Abteilungen mit über dreißig Sparten und Angeboten zur Viktoria, Vorsitzender ist Johannes Morkötter.




Seine sportliche Heimat hat Viktoria Gesmold im „Sportpark an der Else“. Das war jedoch nicht immer so: anfangs spielte Viktoria Gesmold auf einer Weide am Wuhlberg. Diese war allerdings nass und nur sehr schwer bespielbar. Man suchte Alternativen und wechselte jährlich die Grünflächen im gesamten Ort. Ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar wäre, da war man sich schnell einig. So musste ein fester Sportplatz her und an der Westerhauser Straße fand man eine geeignete Fläche. Der Verein begann 1926 mit dem Bau des Sportplatzes und konnte diesen nur ein Jahr später schon voll umfänglich nutzen. Dort spielte Viktoria Gesmold fast vierzig Jahre, ehe 1964 an der Else mit dem Bau einer neuen Sportanlage in Zentrumsnähe begonnen wurde, die ab 1968 fertiggestellt und nutzbar war. 1975 begann der Bau eines Hartplatzes mit Flutlicht, vier Jahre später kamen Umkleiden und Funktionsräume dazu. Im Jahr 1976 bekam auch die Kampfbahn an der Westerhauser Straße eine Flutlichtanlage. Über die Jahrzehnte verschlechterte sich der Zustand der Platzanlage an der Else jedoch dramatisch, zum Ende der Achtziger war der Platz nahezu unbespielbar. Eine Lösung musste her, 1993 baute Viktoria Gesmold den neuen „Sportpark an der Else“ und hat seitdem dort seine sportliche Heimat. Die Sportanlage wurde stetig erweitert und modernisiert. Die letzte Großinvestition war der Bau eines Kunstrasenplatzes, der am 11.09.2016 feierlich eröffnet wurde. Viktoria Gesmold verfügt im „Sportpark an der Else“ somit über einen Rasenplatz mit Flutlicht und kleiner Tribüne. Dazu kommen ein Kunstrasenplatz mit Flutlicht, Leichtathletikbahnen, Tribüne und unüberdachten Sitzgelegenheiten und eine Beachanlage. Funktionsräume, Umkleiden und Cateringstände runden das Bild der Sportanlage ab.



An Spieltagen kümmern sich Mitglieder von Viktoria Gesmold um das leibliche Wohl der Besucher. Am Platz lädt eine großzügige Bude mit überdachter Terasse zum Verweilen ein. Getränke gibt es in der 0,33L-Flasche schon ab einen Euro, das Bier aus Herford kostet in selber Größe fünfzig Cent mehr. Und auch hungern muss man in Gesmold nicht – sofern man sich nicht vegetarisch ernährt. Die Bratwurst kommt vom Gasgrill, ist geschmacklich überzeugend und kommt zum Preis von 1,50 € inklusive Brot und Sauce daher. Sicherlich ist das Angebot überschaubar, völlig ausreichend ist es aber allemal.



Über die Aktivitäten im Verein informiert Viktoria Gesmold im „Viktoria-Kurier“, der seit 1967 erscheint und somit auf eine lange Tradition blicken kann. Hier findet der Leser alle wichtigen Infos und lesenswerte Berichte aus den Sparten. An Spieltagen der ersten Herrenmannschaft in der Kreisliga erscheint zudem die Stadionzeitung „Steilpass“. Auf etwa zwanzig Seiten kann sich der Leser hier auf aktuelle Infos, Berichte und Statistiken aus der Fußballabteilung freuen. Kurzweilig und interessant kommen die Artikel daher, der „Steilpass“ ist eine schöne Lektüre für die Zeit vor dem Anstoß.

Zwei Euro bezahlt man für ein Spiel der ersten Herrenmannschaft in der Kreisliga Süd bei Viktoria Gesmold. Dafür bekommt man eine schöne Sportanlage, ehrlichen Amateurfussball und eine schöne Atmosphäre geboten. Der Sportpark liegt in der Straße „An der Else“, Parkmöglichkeiten finden sich im Umfeld der Sportanlage und vor der in unmittelbarer Nähe liegenden Sporthalle Gesmold. Und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der „Sportpark an der Else“ gut zu erreichen. Die Buslinie 381 verkehrt zwischen Osnabrück und Melle und hält an der Haltestelle „Gesmold – Papenbrede“, von dort aus sind es nur noch wenige hundert Meter und ein paar Minuten Fußweg zum Sportpark.