Landesliga | Fantrennung wirklich nötig?

Kickers Emden oder SV Atlas Delmenhorst – die diesjährige Landesliga kann mit großen Namen und reisefreudigen Fans aufwarten. Das bringt viel Attraktivität, allerdings aber auch Sorgen und stellt die Vereine manchmal vor Probleme.

So auch am vergangenen Sonntag: Aufsteiger und Traditionsverein SV Atlas Delmenhorst gastierte beim VfL Oythe und wurde von gut 200 Fans begleitet. Der VfL Oythe traf Vorkehrungen und versuchte die Fans der Atlanten von den eigenen möglichst strikt zu trennen. Eigens für dieses Spiel baute der VfL im Stadion an der Hasenweide einen eingezäunten Gästeblock auf, stellte einen separaten Eingang zur Verfügung und sorgte mit eigener Bewirtung für Entlastung. Delmenhorster Fans berichten von freundlichem Personal, gutem Service und eigentlich toller Versorgung – dennoch gab es auch einige Schwierigkeiten: Der Gästeblock lag bei über dreißig Grad Außentemperatur in der prallen Sonne, die Zuwegungen waren nicht ungefährlich und der Zugang zu Sitzplätzen wurde verwehrt. Im Prinzip war damit der Sinn der Fantrennung nahezu perfekt durchgezogen – ob man das allerdings in der Landesliga und in Anbetracht von vielen vor allem älteren Anhängern der Blau-Gelben mit aller Konsequenz durchziehen muss ist jedoch fraglich. Zumal von keiner Seite zu keiner Zeit irgendeine Aggression ausging. Delmenhorsts Fanszene trennte sich: Während der Großteil um den Fanclub „Blau-Gelb Reloaded“ im Stadion war traf sich die eher als ultraorientierte Szene um den „Block H“ außerhalb des Stadion auf der Gegenseite im Schatten, unweit des Haupteingang zum Stadion. Der Klub rief die Polizei zur Hilfe – allerdings sahen die Ordnungshüter keinen Grund zum Handeln. Und sie bekamen auch während des Spiels keine Gründe, denn Delmenhorsts Fans verhielten sich jederzeit ordentlich und feuerten ihr Team lautstark an. Zum eintretenden Unwetter öffneten die Ordner jedoch den Zaun zur Tribüne und ließen die Gäste im Stadion zumindest trocken stehen. 2016-08-28_VfL_Oythe_vs_SV_Atlas_Delmenhorst (10) Dass es auch ohne Trennung geht bewiesen die Spiele in der Vergangenheit: Die Fangruppen des BSV Kickers Emden und die des SV Wilhelmshaven konnten sich zumeist frei bewegen – nirgends gab es negative Schlagzeilen oder Probleme. Auch nicht beim Bezirkspokalspiel der Kickers bei Viktoria Georgsmarienhütte: Dort wurden die Blau-Weißen von zahlreichen Fans unterstützt, die den Rehlberg und das Spiel mit ihrer Anwesenheit und der Stimmung durchaus bereicherten. So taten es auch die Fans des SV Wilhelmshaven  (mittlerweile in die Bezirksliga abgestiegen) bei ihrem Gastspiel in Bad Rothenfelde: Im Salinensportpark gab es für die Jadestädter einen entspannten Fußballnachmittag ohne besondere Vorkommnisse. Natürlich geht die Sicherheit der Besucher immer vor und natürlich möchte man als gastgebender Klub immer einen reibungslosen Ablauf – doch den gibt es auch ohne die „harte Schiene“ von Fantrennungen. Erst recht in der Landesliga, wo das Spiel als solches noch im Mittelpunkt steht und die Fans einfach nur nette Spieltage erleben möchten. Größere Fangruppen müssen nicht immer mit Stress und Ärger verbunden werden. Sie können auch durchaus eine Bereicherung für Spiel, Stimmung und auch die Vereinskasse sein. Wenn man Sie denn lässt.