GROßE GEFÜHLE NACH DEM MATCHBALL
VCO-Damen I jubeln ausgelassen nach 3:2-Wendesieg gegen Verfolger Blau-Weiß Lohne
OSNABRÜCK. Was ein Abend, was für eine Stimmung in der Schlosswallhalle! Die Regionalliga-Volleyballerinnen des VC Osnabrück konnten ihre Freude nach dem verwandelten Matchball gegen Blau-Weiß Lohne kaum bändigen. Die VCO-Damen hatten mit einem Kraftakt in einer Spielzeit von 2:19 Stunden im Spitzenspiel gegen den ersten Verfolger nach einem 0:2-Satzrückstand doch noch mit 3:2 (14:25, 21:25, 25:21, 25:20, 15:13) die Oberhand behalten und so die Tabellenführung verteidigt (VCO jetzt 17 Punkte, BW Lohne 14). Für die Osnabrückerinnen, die ihre ersten beiden Sätze in der Saison vor knapp 200 Zuschauern abgeben mussten, war es der sechste Sieg im sechsten Spiel. MVP Gold wurde Libera Julia Bartholomaeus.
THIEL: „WIR KÖNNEN AUCH RÜCKSTANDE UMBIEGEN, DAS HABEN WIR GEZEIGT“ Die Anhänger beider Lager, die sich auf der Tribüne ein stimmungsvolles „Fan-Battle“ vom Feinsten geliefert hatten, sorgten nach diesem tollen Volleyballspiel zurecht für Standing Ovations. So macht Live-Sport richtig Spaß. Zuspielerin Lena Thiel, die im VCO-Spiel nach ihrer Einwechselung entscheidende Impulse gesetzt hatte, strahlte übers ganze Gesicht. „Es war ganz viel Angst, so viel Unsicherheit bei uns im Spiel, da habe ich mir gedacht: jetzt mit Eiern. Und es hat funktioniert“, so Thiel. „Ich finde, heute haben wir gezeigt, dass wir auch das können, Rückstande umbiegen.“
VCO-Trainer Kraus war mit seinem Team und sich nach der Aufholjagd sehr zufrieden. „Heute war ich bei dem Spielverlauf auch mal gefordert. Ich fand das Spiel saugeil. Ich musste gucken, welche Spielerin hat heute welche Stärken. Und Lena hat so gespielt, wie ich sie noch nie gesehen habe“, verteilte Kraus ein Sonderlob. „Wir haben zwar in keiner Phase ein super Spiel gemacht. Aber wir haben genau das taktisch gespielt, was Lohne geknackt hat.“
NACH 0:2 STEIGERUNG MIT DEN FANS IM RÜCKEN
Nach dem Ausgang und dem Erfolg für den VC Osnabrück hatte es gut eine Stunde lang nicht ausgesehen. In den ersten beiden Sätzen dominierten nämlich eindeutig die von zahlreichen lautstarken Fans begleiteten Gäste aus Südoldenburg. Zwar spielten die Lohnerinnen „kein Hexenwerk“, waren aber lange Zeit nahezu fehlerlos und überzeugten über eine gute Annahme sowie Block-Feldabwehr, was ein solides Angriffsspiel ermöglichte.
Auf der anderen Seite waren die VCO-Damen zu Beginn gar nicht auf dem Feld und produzierten Eigenfehler ohne Ende. VCO-Coach Gunnar Kraus musste in der Startformation nach dem Fehlen der bislang überzeugenden Lisanne Masselink und Linda Dieckmann einiges ändern. Auch die wichtige Außenangreiferin Jana Kruska meldete sich mit körperlichen Problemen während der Partie ab. Die nun auf dem Feld stehende, uneingespielte Formation mit Marieke Zink, Maria Büter, Jolina Tönsing, Rebecca Land, Inga Kaschade, Anne Löchert und Libera Julia Bartholomaeus offenbarte deshalb zunächst große Abstimmungsprobleme.
Im ersten Satz hatte sich der Überraschungsaufsteiger, der ein variables Spiel über Außen (Mailin Kreymborg, Julia Nuxoll), Diagonal (Julia Noxoll) und vor allem Mitte (Zoe Kreymborg/ MVP Silber und Antonia Niehaus) aufzog, beim 12:7 schnell abgesetzt,. Beim VCO fehlten Energie, eine sichere Annahme und aggressive Blockarbeit. Zudem hatte die Zuspielerin Marieke Zink einen schlechten Tag erwischt. Die Osnabrücker Fehlerquote mit Angriffsschlägen ins Aus bzw. ins Netz, Fehlangaben und schlechten Annahmen ebbte nicht ab und so ging der erste Satz überraschend deutlich mit 25:14 an die Gäste.
Im zweiten Satz versuchten die VCO-Damen mehr Sicherheit ins Spiel zu bekommen, bis zum 11:11 gelang das auch, ehe alte Fehler Lohne wieder davonziehen ließ. Es schien nicht der Abend des Tabellenführers zu sein, es fehlten Energie und Selbstverständlichkeit. Lohne lag so 18:14 vorne, Osnabrück ließ sich diesmal trotzdem nicht abschütteln und war beim 20:21 wieder dran. Zwei verschlagene Angriffsbälle von Anne Löchert sowie zwei Gewinnschläge der starken Lohnerin Julia Nuxoll sorgten mit dem 25:21 für eine 2:0-Gästeführung.
Nun wurde es ein langer Weg aus VCO-Sicht, dem sich die Mannschaft von Trainer Gunnar Kraus aber stellte. Kraus hatte mit den bisher kaum zum Zuge gekommenen Zuspielerin Lena Thiel und Diagonalangreiferin Katharina Bücker noch zwei Asse im Ärmel, die fortan maßgeblichen Anteil an der kaum mehr für möglichen Wende hatten. Plötzlich war bei Osnabrück mehr Zug im Spie, der VCO hatte nun seine formstärksten Spielerinnen gefunden, die Fehlerquote sank. Lohne ließ auf der anderen Seite mit fortschreitender Spieldauer um ein paar Prozentpunkte nach und wirkte nicht mehr so sicher. Osnabrück spielte so den dritten Satz nach einer 13:5-Führung von oben weg und gewann den Abschnitt, obwohl es beim 21:19 noch einmal enger wurde, mit 25:21. Außenangreiferin Maria Büter wurde stärker, die Mittelblockerinnen Anne Löchert und Jolina Tönsing stellten sich besser auf die Gäste ein. Der vierte Satz verlief ähnlich, Osnabrück mit einer schnellen 13:8-Führung, Lohne kommt beim 20:19 nah heran, ehe die VCO-Damen den Sack mit 25:20 zumachen. Tiebreak.
Die Stimmung war jetzt auf der Tribüne auf dem Siedepunkt, die Aufholjagd hatte begeistert, mittlerweile war es ein hochspannendes Spitzenspiel. Die Osnabrückerinnen nutzten nun die Gunst der Stunde und gingen im entscheidenden Satz mit 6:0 in Führung. Inga Kaschade, Lena Thiel mit Ass, Jolina Tönsing und vor allem Kathi Bücker hatten sich endgültig freigespielt. Doch Lohne gab sich weiter nicht geschlagen. Es stand 9:7, dann 12:7, ehe VCO-Coach Kraus zum wiederholten Mal wechselte. Der Fluss war weg, Lohne glich beim 12:12 und 13:13 aus. In dem Augenblick kam der große Auftritt von VCO-Libera Julia Bartholomäus, die einen Angriffsschlag der Gäste sensationell erhechtete und so die 14:13-Führung ermöglichte. Den Matchball verwandelte etwas glücklich schließlich Inga Kaschade zum 15:13. Party, Freude Stimmung – der gesamte VCO -Anhang in der Halle jubelte mit der Mannschaft über einen tollen 3:2-Sieg und einen nächsten wichtigen Schritt Richtung Meisterschaft.
NÄCHSTES SPIEL IN BRAUNSCHWEIG
Die Spitzenspiele sind nunmehr abgehakt. Nun folgt am nächsten Wochenende eine weite Auswärtsfahrt nach Ostniedersachsen. Die VCO-Damen spielen am Samstag, 17. November um 15 Uhr beim derzeitigen Tabellenvorletzten USC Braunschweig.
Bericht: Peter Vorberg