Fussball | Zu Gast beim Quakenbrücker SC

Auf unserer Reise durch den Landkreis und die Stadt Osnabrück ist es der nördlichste Punkt – Quakenbrück liegt direkt an der Grenze zum Landkreis Cloppenburg. Wir haben uns in der Burgmannstadt mal ein wenig genauer umgesehen und durften sehen, dass nicht nur der Basketball dort regiert. Quakenbrück blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1235 erstmals als „quakenbrugge“ (Brücke über das bebende Sumpfgelände) urkundlich erwähnt war Quakenbrück Burgmann- und Hansestadt. In Quakenbrück stand lange eine Landesburg, die dem Osnabrücker Hochstift als Sicherung gen Norden diente. Viele Burgmänner lebten auf zahlreichen Höfen im heutigen Quakenbrück und verteidigten die Landesburg gegen Angriffe. Die Altstadt war früher durch eine Mauer geschützt, noch heute lädt diese mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern und Einzelhändlern zum gemütlichen Flanieren ein. Quakenbrück brannte 1383 nahezu vollständig ab. Anfang des 14. Jahrhunderts fiel die Verteidigungserfordernis weg, die Burgmannen gingen zurück. Aus dem Turnierplatz der Burgmannen wurde ein Marktplatz, die Stadt entwickelte sich mehr und mehr zur Bürgerstadt. Im dreißigjährigen Krieg wurde Quakenbrück wechselnd besetzt und geplündert, während der Zeit Napoleons besetzten englische Truppen die Stadt. Quakenbrück wurde später dem Konigreich Hannover zugesprochen, erster Bürgermeister war Anton Schröder. Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich das Stadtbild erneut: Zahlreiche Fabriken siedelten sich an, eine Eisenbahnverbindung nach Oldenburg und Osnabrück entstand und 1910 wurde der Bahnhof eröffnet. Erst im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich die Quakenbrücker Neustadt, dort entstand auch ein Flugplatz, der 1935 zum Fliegerhorst umgebaut wurde. Militärisch war Quakenbrück im zweiten Weltkrieg nicht unwichtig: Eine große Flugzeugwerft und viel technisches Material sorgten für schnelle Reparaturen der im Krieg und vor allem im näheren Umkreis stationierten Flugzeuge. 1944 wurde der Fliegerhorst bei einem schweren Bombenangriff nahezu vollständig zerstört. 1948 begann die Entmilitarisierung des Geländes, einige Teile des ehemaligen Fliegerhorst werden jedoch auch heute noch genutzt. So sind in den Kasernen- und Kommandaturblöcken mittlerweile Wohneinheiten entstanden und einige der Hallen werden durch Firmen weitergenutzt. Und auch das Militär nutzte das Gelände noch bis vor kurzem: In einem Depot nahe dem Krankenhaus befand sich ein Sanitätslager der Bundeswehr. Heute nutzt der Luftsportverein Quakenbrück Teile des ehemaligen Fliegerhorst für seinen Segelflugplatz. Seit der Gebietsreform 1972 bildet Quakenbrück zusammen mit Badbergen, Menslage und Nortrup die Samstgemeinde Artland. Seit 2014 ist Paul Gätner Bürgermeister der Burgmannstadt, in der knapp 13.000 Menschen leben. Sehenswertes gibt es in Quakenbrück so einiges: allen voran die historische Altstadt mit dem noch stehenden Stadttor „Hohe Pforte“, dem Rathaus, der Sylvesterkirche, die St.-Marien-Kirche, das Stadtmuseum und dem Marktplatz. Geschichtsfans kommen zudem auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorst auf ihre Kosten, wo es noch einige Relikte der ehemaligen Nutzung zu entdecken gibt. Quakenbruecker_SC (2) Der Quakenbrücker SC wurde erst 1999 aus einer Fusion des VfR Quakenbrück und dem BV Quakenbrück gegründet. Beide Vorgängervereine überwanden die lokale Rivalität und schlossen sich zusammen, um finanziell und sportlich weitere Entwicklungen zu ermöglichen. Mit dem 31.12.98 wurden der VfR und der BVQ aufgelöst, nur einen Tag später gründete sich der Quakenbrücker SC. Sportliche Erfolge feierte der BVQ: 1910 wurde erstmals in Quakenbrück Fußball gespielt, einer der ersten Gegner war der heutige VfL Osnabrück. Sportlich durchlebte dr Klub einige Höhen und Tiefen, abgewanderte Mitglieder gründeten den VfR Quakenbrück und beide Klubs spielten lange nebeneinander in einer Stadt. Der Höhepunkt in der Geschichte des BVQ war ein Testspiel gegen Schalke 04, dass die Gastgeber 1946 vor über zehntausend Zuschauern bestritten. 1967 begann die sportliche Talfahrt: Zunächst stieg der Klub in die Bezirksklasse ab, 1975 folgte der Abstieg in die Kreisliga. Zwischen 1985 und 1998 folgten einige Aufstiege, zuletzt drohte der Klub jedoch in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Quakenbruecker_SC (3) Seinen ersten Platz hatte der Klub auf der Sportanlage „Am Deich“, die jedoch oftmals unter Wasser stand und somit keine dauerhafte Lösung war. 1926 übernahm der Verein eine Fläche im Norden der Stadt von Bauer Arnold Schengbier, der dem Klub das Gelände für einen Spottpreis überließ. Der BVQ baute sich in viel Eigenleistung und mit wenigen finanziellen Mitteln einen Sportplatz, der nach dem Tod des Bauern gekauft und zu Ehren seines Stifters in „Sportplatz Schengbier“ umbenannt wurde. Über die Jahre entstand hier ein schönes, kleines Stadion mit einer Sitzplatztribüne (mit einem Fassungsvermögen von gut 600 Zuschauern), einem Vereinsheim mit Funktionstrakt, Flutlichtanlage und Trainingsflächen. Lange spielte der Quakenbrücker SC im Stadion Schengbier, im Jahr 2013 folgte der Abriss der Anlage. Auf dem Gelände des ehemaligen Stadion Schengbier finden sich jetzt Einfamilienhäuser, lediglich einige Straßennamen erinnern an die lange Nutzung als Sportgelände. Seine neue Heimat hat der Quakenbrücker SC im Artland-Stadion, welches 2013 feierlich eröffnet wurde und nahezu optimale Möglichkeiten bietet. Das Artland-Stadion ersetzt die Sportanlage „Am Deich“, es steht an gleicher Stelle. Und auch das Stadion Schengbier ist vertreten: Die Sitzplatztribüne aus der alten Heimat ist komplett im Artland-Stadion wieder aufgebaut worden, ein neues Vereinsheim mit Funktionstrakt und eine Flutlichtanlage lassen auf den Hauptplatz keine Wünsche offen. Zur Anlage gehören zudem zwei Nebenplätze, von denen einer ebenfalls über eine überdachte Tribüne und alle Plätze über Flutlicht verfügen. Das Artland-Stadion liegt unmittelbar neben der Artland-Arena, in der die Artland Dragons in der Basketball-Bundesliga auf Körbejagd gehen. Quakenbruecker_SC (4) Für 2.-€ kommt der Besucher beim Quakenbrücker SC in den Genuß eines Spiels in der Kreisliga, Ermäßigungsberechtigte zahlen einen Euro weniger. In Sachen Cateringangebot kann der QSC auf ganzer Linie überzeugen: Am vor dem Vereinsheim gelegenen Grillstand werden sämtliche Hungergefühle der Zuschauer bedient. Die Bratwurst aus der Bratwanne gibt es für 1,50 €, Brot und Saucen sind auch hier gratis. Die Currywurst kostet zwanzig Cent mehr. Anders als bei den meisten Klubs gibt es zudem Hähnchennuggets, die frittierten Goldstücke kommen mit einer Currysauce daher und kosten 1,50. Für den gleichen Preis kann sich der Besucher aber auch über eine Schale Pommes mit passender Sauce freuen. Noch breiter ist das Angebot im Vereinsheim, auch wenn hier die teilweise sehr langen Wartezeiten den guten Eindruck ein wenig schmälern. Kaffee und Tee gibt es für einen Euro, fünfzig Cent mehr kosten der heiße Kakao und der Cappuccino. Das gezapfte Bier gibt es im 0,2L – Glas für 1,40 €, die Flasche mit 0,33L – Inhalt kostet 1,80 €. Biermischgetränke sind, genau wie Malzbier, im Angebot und in der Flasche zu bekommen. Und auch die Fans von Weizenbier müssen nicht dursten: Für 3.-€ bekommen diese ein kaltes Weizen in gewohnter und üblicher Größe. Bio-Limonade und Softdrinks gibt es in der 0,33L – Flasche für 1,40 €. Weiterhin hält der QSC für seine Besucher Longdrinks (im Glas für Preisen zwischen 2,50 € und 3.-€), diverse Sorten Schnaps (für 1.-€) und Sekt (das Glas für 2.-€, die Flasche kostet 10.-€) bereit. Beim Quakenbrücker SC ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Das Ambiente beim Quakenbrücker SC begegnete uns so, wie man es in der Kreisliga erwartet: Man trifft sich zum Fußball gucken, genießt dabei einige Getränke und Speisen und unterhält sich über aktuelle Themen. Doch es gibt in Quakenbrück etwas, dass im Gegensatz zu anderen Standorten einmalig ist: Der Zusammenhalt zwischen den Klubs. Fans der Artland Dragons unterstützen den QSC, die QSCer gehen zu den Artland Dragons. In Quakenbrück verbindet der Sport eine ganze Stadt, lässt jedoch auch Außenstehende hinein und nimmt diese herzlich auf. Quakenbrück ist eben nur mehr als eine Burgmannstadt und Basketballhochburg.